Fürstenschule in Grimma 1622-1627

Die Fürstenschule, das ehemalige Kloster St. Augustin, war eine Schule für zukünftige Beamte und Geistliche. Kurfürst Moritz von Sachsen-Meißen hatte 1550 die Fürstenschule gegründet.

Unterrichtet wurde Religion, Grammatik, Logik, Musik, Regeln der Poesie, alte Sprachen und Rhetorik. Der erste Direktor Adam Siber, ein Schüler Melanchthons, hat mit der Herausgabe seiner Schulbücher die Ausbildung geprägt. Das Ausbildungssystem basierte auf Auswendiglernen von überliefertem Wissen und deren Übersetzung. Daneben nahm die musikalische Erziehung einen breiten Raum ein. Im Musikunterricht wurden liturgische Gesänge für Gottesdienste eingeübt und Chöre u.a. von Orlando di Lasso und Adam Gumpelsheimer.

Das oberste Ziel war die Erziehung zum Glauben an Gott und die Bekenntnistreue im „rechten Glauben“.

Der Tagesablauf der Schüler war wie in einem Kloster geregelt. Die Kleidung war einheitlich.

 

Die Schüler schliefen in den ungeheizten Klosterzellen. Um 5 Uhr war die Nachtruhe beendet und um 20 Uhr wurden die Zellen zum Schlafen aufgesucht. Im Tagesablauf wechselten sich Unterrichtseinheiten mit Gebetszeiten und Selbststudium ab. Freizeit gab es kaum. Das Klostergelände wurde nur einmal in der Woche zu einem gemeinsamen Spaziergang verlassen.

Paul Gerhardt besuchte hier mit seinem älteren Bruder Christian die Schule. Der Bruder, der schon ein Jahr vor ihm die Schule besuchte, kam mit dem strengen Schulwesen nicht zurecht. Er war sogar einmal von dort fortgelaufen und hat die Schule vorzeitig verlassen.

Im Schulbuch der Fürstenschule von 1625 gibt es eine lateinische Beurteilung über Paul Gerhardt. Im übertragenen Sinn steht hier, dass er von nicht geringer Begabung ist und Fleiß und Gehorsam zeigt. Sein schriftlicher Ausdruck und seine Verslein werden erträglich genannt.