Probst in Mittenwalde 1651-1657

Als Paul Gerhardt nach Mittenwalde kam, war auch dort die Region von den Kampfhandlungen der schwedischen und kaiserlichen Truppen infolge des Dreißigjährigen Kriegs stark verwüstet. Die Einwohnerzahl war 1645 von 1000 auf 250 zurückgegangen. Nach dem Tod des Probstes entschied sich der Magistrat von Mittenwalde, die freie Pfarrstelle wieder zu besetzen. Deshalb wurde Paul Gerhardt am 28. September 1651 zur Probepredigt eingeladen und sie beauftragten ihn mit der Pfarrstelle. Allerdings war dazu die Ordination von Paul Gerhardt erforderlich, die daraufhin am 18. November 1651 in Berlin stattfand. Dort legte er den Eid auf die lutherischen Bekenntnisschriften und die Konkordienformel ab.

 

Vier Jahre nach seinem Amtsantritt heiratete er 1655 Anna Maria Berthold. Ein Jahr später wurde die Tochter Maria Elisabeth geboren, die nur 8 Monate alt wurde. Eine Gedenktafel in der Moritzkirche in Mittenwalde erinnert an sie.

Als Probst hatte Paul Gerhardt neben den Amtshandlungen auch die Aufsicht über 11 Pfarrstellen und über Schulen im Bereich Königs Wusterhausen, Gussow, Teupitz, Gräbendorf, Zossen, Ragow, Gallun und Schenkendorf. Ende Mai 1657 traf eine Anfrage an Paul Gerhardt vom Berliner Magistrat in Mittenwalde ein. Darin wurde ihm die zweite Diakonatsstelle an der Berliner Nikolaikirche angeboten.