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Mozartprojekt bietet Klangerlebnis in Lübben
LÜBBEN Sänger, Projektleiter und vor allem Musiker Michael Zumpe hat es für ?seinen Mozart? erhofft, und am Samstag hat ihn das zahlreiche Publikum mit stehenden Ovationen nach einer ganz besonderen Aufführung bestätigt: Das ?Mozart-Projekt? mit der szenischen Aufarbeitung der ?Zauberflöte? und des ?Requiem? in der Komposition des Meisters zieht Musikfreunde aus nah und fern an.
Und das an einem besonderen Ort: Die Uraufführung dieses Konzert-Projektes fand in eben der Paul-Gerhardt-Kirche im August 2006 statt. An Attraktivität hat diese Inszenierung nicht verloren, wie Peter Jurisch aus Berlin nach dem Musikereignis einschätzt. ?Damals war ich neugierig, und heute hatte ich beste Erinnerungen ? prima war das heute wie damals?, so seine Bewertung.
Fünf Lausitzer Chöre sind dabei.

Text: Detlev Simsch
Bild: Werner Kuhtz "Die Probe"

Michael Zumpe als künstlerischer Projektleiter und auch Leiter des großen Sänger-Ensembles aus fünf Lausitzer Chören von Ruhland über Sacrow-Waldow bis Lübben und Lübbenau hat es verstanden, seine Sangesfreudigen immer wieder für Mozart und seine Musik zu gewinnen. ?Das und vor allem die Geselligkeit, das gemeinsame Erleben von Spannung beim Auftritt und dem Erfolg danach macht diese Gemeinschaft aus?, sagte er vorab im RUNDSCHAU-Gespräch. Genau das haben die etwa 60 Sänger am Samstag eindrucksvoll und hörbar unter Beweis gestellt. Maria Meckel beeindruckt
In der Fassung von Zumpes ?Zauberflöte? gibt es 65 Minuten lang Spannung, Heiterkeit und gute Musik. In der Originalfassung Mozarts reicht das für etwa drei Stunden ? aber der ?Extrakt? hat es auch in sich. Dafür sorgten eine stimmlich hervorragende Christiane Kapelle als Pamina und ihr Tamino Volker Arndt, der mit seinem Tenor ganz ohne Schwülstigkeit, dafür aber mit Klangfülle und feiner Nuancierung erfreute. Ein jugendlicher, aber stimmgewaltiger Sarastro war Burkhard Kosche, und Michael Zumpe selbst wirbelte als fröhlich-nachdenklicher Papageno über die schmalen Bühnenstege.
Maria Meckel aber war an diesem Abend die eigentliche Entdeckung: Sie sang förmlich aus dem Nichts kommend die selbst bei Primadonnen gefürchtete Koloratur-gespickte Arie ?Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen? makellos, um nur wenig später als liebevoll-markige Papagena ihrem Papageno im Duett erst um den Bart zu gehen und dann das Glockenspiel wegzunehmen. Und auch dies: Der Lübbener Kantor Johannes Leonardy gab in einer kurzen Szene den bösen Mohr Monostatos mit szenischer Komik.
Die Chöre aber waren immer wieder die Überraschungen des Abends. Derer gibt es in der ?Zauberflöte? von ?Es lebe Sarastro? über den Hymnus ?Wenn Tugend und Gerechtigkeit? bis zum pathetischen Finalchor ?Heil sei euch, Geweihten? viele. Es gab dabei immer wieder Gänsehaut-Gefühl, und daran hatten auch die ?BerlinClassicPlayers? als Orchester mit 32 Musikern unter Leitung von Ulrich Riehl einen großen Anteil.
Stehende Ovationen
Mozarts ?Requiem? bis zur letzten Note des Meisters im ?Lacrimosa? wurde zum musikalischen Zelebrieren eines großen Werkes durch den Chor, das Orchester unter Leitung von Michael Zumpe und die Solisten Christiane Kapelle (Sopran), Zvi Emanuel-Marial (Altus), Volker Arndt (Tenor) und Burkhard Kosche (Bass). Fast atemlos schien das Publikum den lateinischen Gesängen zu lauschen, die vom melodisch breiten ?Requiem aeternam? bis zum wuchtigen ?Rex tremendae? und schließlich zu den letzten acht Takten des ?Lacrimosa? in der Komposition Mozarts reichten.
Nach andächtiger Pause nach den letzten Klängen gab es stehende Ovationen als Dank für Musiker in einem bemerkenswerten Konzert. -ds