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Sarah Kaiser und Band in der Paul-Gerhardt-Kirche Lübben(Spreewald)

?Zieh ein zu meinen Toren, sei meines Herzens Gast? ? an den Paul-Gerhardt-Vers erinnerte der Menschenstrom, der am Samstagabend über den Lübbener Marktplatz zur Paul-Gerhardt-Kirche strömte. Dort war in mystisches Blau der Altarraum getaucht. Zwischen Altar, Kanzel und Taufbecken, also dort, wo bereits Paul Gerhardt seit 1669 predigte und er auch seine letzte Ruhestätte fand, zog sein Geist erneut ein.

Text: Lausitzer Rundschau 15.10.2007 (Auszug)
von Frank Selbitz
Foto: Ilja Melcher
Spätestens bei der ?Güldenen Sonne? ergriffen Freude und Wonne die Besucher des gut besuchten Konzerts. Doch waren es nicht die gewohnten Melodien von Crüger und Ebeling zu Paul-Gerhardt-Texten, die sie hörten, sondern auch lateinamerikanische Rhythmen, mit denen sie Sarah Kaiser in ihren Bann zog. Es war klar: Ein anderer Paul Gerhardt hatte Einzug gehalten. Doch auch dieser ging zu Herzen, denn Sarah Kaiser fing die Zuhörer ein mit ihrer klaren, warmen Stimme, die eine wohlwollende Balance zwischen Schmerz und Sonne, zwischen Verlust und Freude ausstrahlte. Ihre Band rundete den Konzertgenuss ab, denn die Arrangements von Pianist Samuel Jersak ergriffen mit ihrer faszinierenden klanglichen Fülle und gaben Paul Gerhardts Texten ein neues zeitgemäßes Antlitz.
Doch im Mittelpunkt stand Sarah Kaiser, ?die es schaffte, Paul Gerhardts Lieder voller Überzeugung und mit persönlicher Hingabe zu singen. Die die Gäste mit auf ihre persönliche Entdeckungsreise nahm und somit beispielhaft für unsere heutige Zeit ist. Ihr hörte man nicht nur zu, sondern man war mittendrin, war dabei und spürte Paul Gerhardt in sich?, sagte Pfarrer Olaf Beier.
Aufrüttelnd kraftvoll, besinnlich und sinnlich, nachdenklich, soulig und jazzig, zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt interpretierte Sarah Kaiser Paul Gerhardt. So mancher mag sich gefragt haben, das soll ?unser? Paul Gerhardt gewesen sein? Ja, er war es, denn er erfrischte das Herz, gab Mut, Kraft und Zuversicht an diesem Abend, so wie er und seine Liedtexte es seit vier Jahrhunderten tun.