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Multimedia Konzert der Gruppe SERVI
in der Paul-Gerhardt-Kirche Lübben(Spreewald)
Licht und Farben gaben der Paul-Gerhardt-Kirche am Samstag eine ungewohnte Atmosphäre. Dazu erklangen Melodien unterschiedlicher Musikrichtungen. Das Publikum wurde durch Erzählungen in die Zeit Paul-Gerhardts in Lübben zurückversetzt.

Text: Detlev Simsch
Foto: Ilja Melcher
Ein einmaliges Fest für Paul Gerhardt sollte es werden, das Herzen, Ohren und Augen anspricht, hatte die Gruppe ?Servi? versprochen. Einen Besucheransturm wie am Sonnabend hat die Lübbener Paul-Gerhardt-Kirche seit langem nicht erlebt. Schon gut eine halbe Stunde vor Beginn waren alle begehrten Plätze bereits belegt ? laut Veranstalter sind fast 800 Gäste gekommen.
?Die Kirche hat sich heute aber sehr verändert?, stellte Bernhard Schulz aus Luckau fest und verwies auf technische Aufbauten und den mit einem weißen Tuch verhüllten Altar. Projektleiter Jan Bilk hatte im Kirchenraum und auf den beiden Emporen große Bildschirme aufgestellt. So gebe es nur gute ?Sichtplätze? und niemand wäre wie bei ?normalen? Konzerten benachteiligt.
?Wir sollen unsere Kirche noch besser kennen lernen und manchmal hilft ein Blick von außen?, sagte Pfarrer Olaf Beier zur Begrüßung. Unmittelbar danach erstrahlte das Gotteshaus aus vielen Scheinwerfern in Blau. Die Farben wechselten, die strahlend bunten Formen und Figuren in den zwei abwechslungsreichen Stunden der Schau ebenso. Alles gab neue Blickwinkel auf Ereignisse, Themen, das Leben Paul Gerhardts und auch auf den Kirchenbau, der zu Paul Gerhardts Zeiten vor 340 Jahren fast noch ein Neubau war.
Regisseur Jan Bilk hatte einen szenischen Ablauf in Licht, Musik, Bildern und Dialogen zusammengestellt, der viele schon wegen der Detailkenntnis von Land, Leuten und Geschichte verblüffte. Er ließ als Gerhardts Zeitgenossen den Stadtschreiber Christian, dargestellt von Istvan Kobjela, als guten Geist auftreten. Der erinnerte von der Kanzel herab an Historisches aus Lübbens Stadtgeschichte wie die Stadtbrände und die Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges.
Am Taufstein vermutete er, dass wohl auch Gerhardt an ebendieser Stelle Tränen im Gedenken an seine verstorbenen Kinder vergossen habe. Es gehörte zur Choreografie der Schau, dass passend zum Gesagten kleine Filme aus dem Gemeindeleben von heute eingespielt wurden ? so eine Taufe, vollzogen von Pfarrer Beier, und das Spiel im evangelischen Kindergarten. Auch filmische Erinnerungen an bisherige Höhepunkte im Gerhardt-Festjahr wurden gezeigt, wie der Landesposaunentag, das Europäische Nachtwächtertreffen und das Konzert der Dresdner Kapellknaben.
Musik höchst unterschiedlicher Stile nahm das Publikum immer wieder mit. Bilk präsentierte mit Roman Eyck am Bass, Christian Lampe (Schlagzeug), dem Gitarristen Fabian Kalka und Carolina Eyck als Pianistin, Sängerin und als Interpretin am selten zu hörenden Theremin eine spielfreudige Gruppe. Vom Theremin ? einem anno 1919 von Lew Termen erfundenen berührungsfreien elektronischen Musikinstrument ? konnten die Gäste nicht genug hören. Der sonore Klang über neun Oktaven, ?gespielt? in der einen Hand als Lautstärke, in der anderen in der Tonhöhe, verzauberte in Harmonie mit anderen Instrumenten. Zwei Zugaben ? natürlich mit dem Theremin ? versüßten den Abschied.