Aktuelles
16.00 Uhr
Ökumenischer Gottesdienst
zum Abschluß des Paul-Gerhardt-Jahres
in der katholischen Kirche St.Trinitas in
Lübben (Spreewald)
Liedpredigt zu dem Lied Paul Gerhardts ?Nun lasst uns gehn und treten? (EG 58)
? Olaf Beier, Pfr. der Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde Lübben (Spreewald)

Weitere Infos:
Liedpredigt
und
Auszug aus der LR vom 03.01.08
Verfasser: Frank Selbitz
Foto: W. Kuhtz
Liebe Gemeinde,
wieder ein Jahr geschenkte Lebenszeit liegt hinter uns.
Jeder Tag hat seine Einmaligkeit gehabt.
Wir haben gelacht, wir waren traurig, - wir haben 365 Tage gelebt.
Vieles hat sich ereignet, hat Freud und Leid uns bewegt, Spuren hinterlassen.
Der Kalender mit der Jahreszahl 2007 hat nun seinen Dienst getan.
Wir werden ihn beiseite legen und doch noch einmal darin blättern, Rückschau halten und Erinnerungen zulassen.
Ein Jahresring ist uns zugewachsen, wieder ein Jahr waren wir ?Gast auf Erden?.

Mit diesem Tag geht auch das Paul-Gerhardt-Jahr zu Ende. Es ist schön, gut und richtig, dass wir das Paul-Gerhardt-Jahr mit einem ökumenischen Gottesdienst beschließen ? mich erfreut das sehr.
Als Jubiläumsjahr hat es uns seit der feierlichen Eröffnung am 7. Januar bis zum heutigen letzten Tag des Jahres begleitet: ?Gott sei Dank!?
Nicht ?Gott sei Dank?, dass es nun vorüber ist, es war natürlich anstrengend und herausfordernd, unser ?Gott sei Dank!? gilt rückblickend für all das Erlebte, das Alte und das Neue darin.

Für viele Menschen war das Jahr mit Paul Gerhardt eine große Bereicherung, - sehr gern zähle ich mich selbst dazu - hat es uns Begegnungen geschenkt, Gedanken, Impulse gegeben, auch Gewissheiten vermittelt.
Die Begegnungen und Gespräche, das Teilhaben an den Gedanken von Menschen, darin liegt die größte Freude. Dankbar sind wir, dass vieles von dem was wir geplant, gehofft und vorbereitet haben, gelungen ist.
Und bei aller Freude und Zufriedenheit über Gelungenes, wissen wir, dass wir es nicht gemacht haben. Dass Gottes Güte, seine Liebe und Barmherzigkeit uns begleitet hat, sein Segen spürbar war. Das Jahr mit Paul Gerhardt war ein Geschenk.
Wir waren als Menschen des 21. Jahrhunderts zu Gast in der Welt des Theologen Paul Gerhardt, der vor 400 Jahren geboren wurde.
Und es hat sich etwas ereignet was wunderbar ist und doch nicht verwunderlich, dass die alten Texte der Lieder Paul Gerhardts uns nicht fremd geblieben sind, sie ihre strahlende Kraft entfaltet haben.
Manche haben es gewusst und viele haben es neu erfahren, wie direkt uns die Gedanken Paul Gerhardts treffen und betreffen. Lieder die in der Welt gesungen werden und das Leben bedeuten und es helfen zu deuten, im Angesicht der Herausforderungen in denen wir leben.
Ich stimme aus vollem Herzen dem zu, was der Theologe Fulbert Steffensky dazu gesagt hat, wenn er formuliert: ?Wenn wir die Lieder Paul Gerhardts singen, ?sind wir ?Gast in fremden Zelten. Wir singen die Lieder und schreiben die eigenen Wünsche und Hoffnungen ein in die großen Gedichte von anderen Generationen. Wir lassen ihnen ihre Fremdheit und nehmen teil an einer alten Wahrheit; an der Wahrheit ihres Hungers nach Gott, nach Hoffnung, nach Schönheit. Wir sind Gast dieser Lieder. Unser Gaststatus macht es uns möglich, in den alten Zelten der Hoffnung zu wohnen.?
Unser Hunger nach erfülltem Leben, nach Deutungen in den Fragwürdigkeiten unserer Zeit, nach Sinnfindung ist groß, und wie dankbar können wir sein, dass wir nicht alles neu erfinden müssen, dass wir zurückgreifen können auf Bewährtes. Auf das was Menschen getragen hat und was sie bewahrt haben in ihrem Herzen, oft bis ans Lebensende.
Wir sind zu Gast auf Erden und uns bergen die ?Zelte der Hoffnung?. Ein schönes und passendes Bild zum Übergang in ein neues Jahr.
2008 liegt vor uns.
?Nun lasst uns gehn und treten mit Singen und mit Beten zum Herrn, der unserm Leben bis hierher Kraft gegeben? ? so beginnt mit der 1.Strophe
das Lied Paul Gerhardts zum Jahreswechsel.
Lasst uns die 1.+2.Str. singen.

Es ist ein Lied wie auf der Wanderung, mit dem Aufruf: ?Lasst uns gehn!? Stillstand ist nicht unser Ding, unser Leben ist ein Unterwegssein, ist Bewegung vom einem Tag zum anderen und auch vom einen Jahr zum anderen. Dass wir bis hierher gekommen sind ist Gottes Gnade.

Betrachten wir das was war, die gelebten 365 Tage.
Gehen wir selbst oder werden wir gegangen?
Lassen wir uns leiten ? von was?
Was haben wir für Ziele, für Gedanken und Träume, die unseren Weg bestimmen?
Versuchen wir mit der schnellen Zeit Schritt zu halten, im Beruf, im Privatleben. Aus Furcht den Anschluss zu verlieren und ?weg vom Fenster zu sein?, passen sich viele an und ordnen sich den scheinbaren Herren des Lebens unter. Dem Diktat, alles nach dem materiellen Wert zu beurteilen, was rechnet sich, was lohnt sich, wie komme ich voran, was muss ich tun, um anerkannt, erfolgreich zu sein?
Dabei wird viel Zeit verpasst und verschwendet, denn am Ende des Weges zählt, trägt und orientiert uns das, was wir nicht im Portomanie haben, nicht auf der Karriereleiter nach oben uns geschunden haben, sondern im Herzen tragen. In der glitzernden Scheinwelt des Lebens, wo der Markt den Wert bestimmt, bleiben wir als Christen fremd.

Die Sehnsucht nach erfülltem Leben im Leben wächst.
Da ist es nicht verwunderlich, wenn ein Buch für das Unterwegssein auf der Bestsellerliste ganz weit oben ist. Das Pilgern auf dem Jakobsweg, wie H.P. Kerkeling es beschreibt, ist ein anderes Unterwegssein.
Ein Unterwegssein was nicht getrieben ist, sondern sich treiben lässt von der Suche, sich führen lässt und dabei dem ehrlichen Blick auf sich selbst begegnet.
Ein neues Gespür von erfüllter Zeit zu erleben, die Sehnsucht danach ist so groß. Sich selbst nicht zu verlieren im Strudel des Alltags und Gott nicht aus den Augen zu verlieren. Nicht orientierungslos zu werden, in dem ?durch so viel Angst und Plagen, durch Zittern und durch Zagen, durch Krieg und große Schrecken, die alle Welt bedecken?, wie es im Lied in der 3 Str. heißt.

Ich sehe vor mir die vielen verlassenen Kinder, die in der Ferne und in der Nähe ums Überleben kämpfen müssen. Es gibt in diesem Jahr ? und nicht nur in diesem ? eine schreckliche Chronologie der Kindestötungen.
Wir feiern Weihnachten die Geburt eines Kindes und müssen uns dann auch fragen lassen: Was tun wir dafür, dass so etwas nicht geschieht?
In jedem Kind lacht Gott uns an und in jedem Kind das nicht leben kann,geht eine Welt zugrunde.

Der dreißig Jahre währende Krieg im Leben Paul Gerhardts war nicht der Letzte. Er hat erlebt, was andere heute durchmachen.
Gegenwärtig finden auf unserer Erde etwa 30 kriegerische Auseinandersetzungen statt. In der Öffentlichkeit wahrgenommen werden die Konflikte im Irak, Afghanistan und nun in Pakistan und Kenia. Und die zahlreichen Bürgerkriege mit den Millionen Flüchtlingen , wie im afrikanischen Ruanda, sind kaum noch eine Nachrichtenmeldung wert.
Die Flut der schlimmen Bilder mit Menschen die vor dem Nichts stehen, deren Tränen zwar trocknen, aber deren Seele nie mehr zur Ruhe kommen wird, reißt nicht ab, eine tragische Kontinuität des Schreckens hat uns das Jahr über begleitet.

Dieses Jahr war ein Jahr, an dem die Menschheit sich darüber klar geworden ist, dass der Klimawandel keine eingebildete Geschichte von Experten ist.
So stehen wir am Scheideweg, die Chancen der noch gegebenen Möglichkeiten zu ergreifen und zu retten, was zu retten ist, oder dem ?nach mir die Sinnflut?.

Das Lied Paul Gerhardts ist dem Leben sehr nah, es beschönigt nichts und ist doch kein Text, der uns mit den Sorgen und Nöten stehen lässt und keine Antwort weiß. Denn:
?Gelobt sei deine Treue, die alle Morgen neue, Lob sei den starken Händen, die alles Herzleid wenden." ?(Strophe 5)
Hier sind Resignation und Hoffnung, Angst und Vertrauen,
Verlassenheit und Geborgenheit, Sehnsucht und Liebe, Trauer und Freude vereint. Und das Besondere: Paul Gerhardt findet keinen Trost durch Weltflucht und Jenseitskult, sondern er ist überzeugt, dass Gott mitten im Leben Trost und Hoffnung gibt. Mitten im Leben ist Gott zu finden, ist er mir nah.

Die Welt ist voller Probleme und dennoch halten wir an der Hoffnung fest, leben gern. Unsere Hoffnung hat einen Namen: Jesus. Und in seinem Namen liegt die Bedeutung: ?Gott hilft?. Wer darauf sich verlässt, ist nicht verlassen.

Im Römerbrief schreibt der Apostel Paulus:
?Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes uns trennen kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.(Römer 8,38-39) und Paul Gerhardt antwortet darauf:
?Lass ferner dich erbitten, o Vater und bleib mitten in unserm Kreuz und Leiden ein Brunnen unsrer Freuden.?
(Str. 8)

Den eigenen Fragen nicht davon laufen, sich im Gegenüber Gottes zu verstehen, ?geborgen im Zelt der Hoffnung?.
Die Welt hat ihre Nöte und Plagen, nur darüber jammern hilft nicht.
Getrost und - nach manchem Kummer der uns auf der Seele liegt ? getröstet Weitergehen, weil ja Gott mit uns ist. Im Singen und im Beten wächst uns neuer Mut zu.

Und viel wurde uns geschenkt.
Es war auch ein gutes Jahr, ein Jahr mit vielen guten Nachrichten - wir waren nicht von Gott und seinem Segen verlassen. Im Verborgenen hat manches sich zum Guten gewandelt, lag nach einer Nacht der Tränen ein neuer, guter Morgen vor uns. Wir konnten etwas tun in der Familie, im Beruf,für die Mitmenschen, gebraucht zu werden, eine Aufgabe zu haben und sehen, wie manches wächst. Das gibt dem Leben einen guten Sinn und macht dankbar.
?Gelobt sei deine Treue, die alle Morgen neue?.

Ein neues Jahr beginnt.
Was nach der nächsten Biegung kommt, bleibt im Verborgenen.
Hier stehe ich und kann dir, Gott, Dank sagen, für das was bisher war und ich vertraue dir das an, was kommt.

Das Jahr beginnen mit dem Blick nach vorn ? in der Vorfreude auf geschenkte neue Lebenszeit, das Leben in die Hand zu nehmen und mit allen Vorhaben sich orientieren an dem was Sinn macht und dabei das eigene Tun und Machen Gott anzubefehlen. Es unter das Gebet und die Fürbitte zu stellen.
Lasst uns singen: Str. 12+13

Gut wäre es, wenn ich nicht mehr ständig ?wenn-dann? sagte und meinte, wenn das und das geschieht, ja dann wäre ich zufrieden, glücklich ?
immer wieder warten auf eine Wunscherfüllung.
Vielmehr das Heute leben, den geschenkten Tag, den Augenblick des Lebens.
Mit dankbaren Augen auf das sehen was ist - dann wäre ich viel freier, mutiger und als dankbarer Mensch auch glücklicher.
Im Alltäglichen das Besondere entdecken. Oft hat das Besondere den Mantel des Normalen an. Den Blick zu bekommen, dass im Alltäglichen das Besondere verborgen liegt - das wäre ein Wunsch für das neue Jahr.

Und mittun, mit meinen Gaben und Möglichkeiten die ich habe, an dem wofür ich Verantwortung habe, und mich engagieren wo ich gebraucht werde, wo ich etwas einbringen kann. Für andere und uns selbst zum Segen

Nach Anno Domini 2007 lasst uns gehen in ein neues Jahr mit unserem Herrn Jesus Christus.
Mit der 11.Strophe bitten wir: ?Sprich deinen milden Segen zu allen unseren Wegen, lass Großen und auch Kleinen die Gnadensonne scheinen.?

Wir sind zu Gast auf Erden und uns bergen die Zelte der Hoffnung ? so lasst uns mit Offenheit, Freude und Gottvertrauen das neue Jahr unter die Füße nehmen und Ja sagen zu einen jeden neuen Tag, den wir empfangen aus Gottes Hand.

Nun lasst uns gehn und treten / mit Singen und mit Beten / zum Herrn, der unserm Leben / bis hierher Kraft gegeben. Amen

Liedstrophen 11+15


Ein feierlicher Abschluss des Festjahres zum 400. Geburtstag von Paul Gerhardt ist der ökumenische Festgottesdienst in der katholischen St. Trinitas Kirche zu Lübben gewesen. Gemeinsam blickten der katholische Pfarrer Udo Jäkel und der evangelische Pfarrer Olaf Beier auf die Höhepunkt zurück. Sie sprachen von ?einem würdevollen gemeinsamen Abschluss? und hoffen, ?dass das Gedenken an Paul Gerhardt auch 2008 eine Fortsetzung findet?.
In seiner Begrüßung sprach Pfarrer Udo Jäkel ?von einem schönen symbolischen Zeichen der Gemeinsamkeit in der Stadt Lübben, dass katholische und evangelische Kirchgemeinde gemeinsam den Abschluss des Paul-Gerhardt-Jahres mit einem Festgottesdienst feiern?. Pfarrer Olaf Beier, gleichzeitig Vorsitzender des Lübbener Paul-Gerhardt-Vereins, blätterte in seiner Predigt den Kalender des Festjahres 2007 durch und rief die Höhepunkte in Erinnerung. ?Ein gelungenes Jahr ? voll Freude und Zufriedenheit?, schätzte er ein, wobei er ?die strahlende Kraft der alten Texte, die die Lieder von Paul Gerhardt noch heute entfalten? betonte. ?Wir waren Gast in fremden, alten Zeiten, in Zeiten der Hoffnung nach einem erfüllten Leben.?
Verse Paul Gerhardts stellte Beier immer wieder in den Mittelpunkt seiner Rückblende und mahnte ?ein neues Gespür erlebter Zeit, um nicht die Orientierung in der Hast des Alltags zu verlieren? an. Der Bogen seiner Worte spannte sich vom Dreißigjährigen Krieg zu Paul Gerhardts Zeit bis zu den aktuellen Bildern aus Pakistan unserer Tage. ?So sind Worte und Verse der Lieder Paul Gerhardts am Leben sehr nah ? heute wie damals.?
?Es war ein gutes Jahr 2007, das Paul-Gerhardt-Jahr?, stellte Beier fest. ?Ob Liedpredigten oder Denkmalsfest, ob für den Einzelnen oder die Gemeinschaft, denn es ist uns gelungen, das Heute aktiv zu leben.? Den Blick nach vorn gerichtet, wünschte Olaf Beier, ?im Alltäglichen das Besondere zu entdecken und das Mittun der Menschen, wo man sich engagieren und einbringen kann, denn auch weiterhin bleiben wir Paul-Gerhardt-Stadt, Lübben (Spreewald)?.
Abgerundet wurde der Gottesdienst mit Bildimpressionen des Festjahres.