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57. Brandenburgischer Kirchenchortag der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz in Lübben (Spreewald)

Neben dem lebensgroßen Porträt des Kirchenmannes und Dichters weltbekannter Lieder führten 52 Chorsänger, zwölf Instrumentalisten und vier Solisten unter der Leitung von Landessingwart Lothar Kirchbaum große Werke der Musik auf beim 57. Brandenburgischen Landeschortag der Evangelischen Kirche.
Das 57. Festival seiner Art war zugleich das erste, das es so gegeben hat. Lothar Kirchbaum lüftete das Geheimnis: Bisher hätten alljährlich die Berliner, die Brandenburger und Kirchenchöre in der schlesischen Oberlausitz eigene Chortage veranstaltet. Die Berliner und die Brandenburger seien sich nach der politischen Wende schrittweise immer näher gekommen. Nun habe die evangelische Landeskirche auch die schlesische Oberlausitz aufgenommen. In Lübben sollte versucht werden, mit Chören aus allen drei Teilen der Landeskirche ein gemeinsames Chorfest zu veranstalten. Das ist zumindest teilweise gelungen.



Text: Detlev Simsch
Foto: Manfred Dörfer
?Sangesbrüder und -schwestern aus der schlesischen Oberlausitz haben sich für das Fest in Lübben nicht angemeldet. Das ist schade?, bedauerte Lothar Kirchbaum. Er hofft jedoch, dass sich das ändert, ?wenn die Chorfreunde dort erfahren, wie viel Freude wir Berliner und Brandenburger in Lübben beim gemeinsamen Singen hatten.? Außerdem hätten die Sänger mit ihren Stadtführern Jutta Küchler und Helmut Haß in den Probenpausen die Lübbener Geschichte ?schnuppern? können und die Schlossinsel genossen.
Was die Sänger, Instrumentalisten und die Solisten Heike Hardt (Sopran), Ulrich Weller (Altus), Kai Roterberg (Tenor) und Thomas Wija (Bass) nach wenigen gemeinsamen Proben ihrem recht zahlreichen Publikum in der Paul-Gerhardt-Kirche boten, war beachtlich. Konzert-Organisator Kirchbaum hatte mit Blick auf den Kirchenlied-Dichter Gerhardt den Schwerpunkt auf Johann Sebastian Bach und zwei seiner frühen Kantaten gelegt.
?Allein zu dir, Herr Jesu Christ? und das weitaus umfangreichere ?Was frag ich nach der Welt? erklangen in polyphoner Fülle und differenzierter Feinheit der Interpretation vom Chor und den Solisten. Beiden war das Orchester ? es musizierten Lehrer der Musikschule ?Hugo Distler? aus Strausberg-Eggersdorf ? ein wohlklingender zuverlässiger Partner.
Kirchbaum hatte auch Bachs a-Moll-Konzert für Flöte, Violine, Cembalo und Streicher als instrumentale Bereicherung ins Programm aufgenommen. Da erfreuten der Flötist Armin Bassarak, die Violinistin Elke Maas und der virtuose Cembalist Andreas Wenske.
Auch die Konzertbesucher durften mitsingen ? und dafür hatte Lothar Kirchbaum eigens die Kleine Kantate ?Such, wer da will, ein ander Ziel? arrangiert. Chor, Orchester und Publikum harmonierten prächtig miteinander.
Für Pfarrer Olaf Beier waren die 90 Minuten des Konzertes viel zu schnell vorbei.
Seinen Dank verband er mit dem Wunsch, dass ein nächster Kirchenchortag nicht erst nach weiteren 56 Auflagen anderswo wieder in Lübben stattfindet. Das war mit der Zugabe aus Bachs Matthäus-Oratorium, dem mächtigen Chor ?Gloria sei dir gesungen? fast zugesichert.