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17.05.2009 17.00 Uhr Paul-Gerhardt-Kirche Lübben
Konzert mit Meier`s Clan
zum Abschluss der Paul-Gerhardt-Woche im Frühling

... Von Johann Sebastian Bach war am Sonntag in der Lübbener Paul-Gerhardt-Kirche nichts zu hören. Von Leonard Bernstein auch nicht. Dafür unangekündigt aber von Feivel, dem Mäusewanderer, und Edvard Grieg. ?Meiers Clan? machte dies möglich ? und dennoch ist keiner der Konzertbesucher dem Potsdamer Saxofon-Quartett böse gewesen.
?In der Paul-Gerhardt-Kirche haben wir vom Dresdner Kreuzchor über Gunther Emmerlich bis zum Singen von Liedern Paul Gerhardts schon vieles erlebt. Ein Saxofon-Ensemble mit vier Leuten aber noch nicht. Das macht neugierig?, sagte Ulrike Neumann aus Lübbenau.
Aber Ralf Benschu, Matthias Wacker, Mark Wallbrecht und Sebastian Hillmann ? sie bilden das Quartett ?Meiers Clan? ? brauchten nicht lange, um ihre Hörer in ihren Bann zu ziehen.
Ein ?gemischtes Programm von Barock bis Jazz? hatte Kantor Johannes Leonardy nach der Begrüßung dieses in Lübben erstmals zu hörenden Quartetts versprochen und sich über die Bereicherung des Lübbener Kulturlebens mit diesem Konzert gefreut. Mit ihm teilten nach gut 75 Minuten wohl alle im Auditorium diese Ansicht.

Text: Detlev Simsch
Foto: Werner Kuhtz

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Ralf Benschu und seine Kollegen zeigten, was das Instrument Saxofon in seinen Stimmlagen Sopran, Alt, Tenor und Bariton einzeln und in der Mischung mit anderen zu leisten vermag. Wenn es denn die Interpreten auch können ? die vier konnten spielen!
Schon der Auftakt war ganz anders als meist. Unter der Kanzel, am Eingang, aus dem Seitenschiff ertönten Klänge zuerst wie ein Choral, dann fast jazzig. Kurt Rommel, ein Kirchenmusiker aus unserer Zeit, vertonte ?Du hast uns, Herr, gerufen und darum sind wir hier? und das spielten sie wohl auch als Hommage für den Lieder-Pfarrer Paul Gerhardt in dessen letzter Wirkungsstätte. Die Musiker schließlich trafen sich im Mittelgang mitten unter ihren Zuhörern, um dann vor dem Altar, zwischen der Kanzel und dem lebensgroßen Bild Gerhardts munter zu musizieren.
Barockes auf Saxofonen gab es bisher in Lübben selten. Kompositionen von Antonio Vivaldi entdeckten in dieser Interpretation viele Hörer neu für sich. Auch die ?Morgenstimmung?, ?Solveigs Lied?, ?Anitras Tanz? und erst recht der furios gespielte Satz ?In der Halle des Bergkönigs? aus Edvard Griegs ?Peer-Gynt-Suite? waren ein Hör-Vergnügen.
Die vier Saxofonisten vergaßen nie, was Hörgewohnheiten ausmachen. Melodien wie ?Palladio? von Ex-?Soft Machine?-Mitglied Karl Jenkins und die Film-Titelmelodie von ?Feivel, der Mauswanderer? ließen etliche fast träumen.
Astor Piazzolla, der König des Tango, war mit ?Night Club 1960? vertreten. Selbst der musikalische ?Ohrwurm? vom ?Coultergeist? in meisterlicher Interpretation fehlte nicht. Waren die Hörer beim ?Sir Duke? von Stevie Wonder schon fast aus dem Häuschen, so setzten die Musiker bei ?Here comes Julian? von Heiner Wiberny mit ihren Slapstick-Kunststücken in Tönen noch ?einen drauf?.
Ovationen nach 75 Minuten abwechslungsreicher Musik gab es. Als Zugabe kehrten die Saxofonisten zu ihren Wurzeln zurück und erinnerten zugleich an den Namensgeber ihres ?Clans?, ihren Musiklehrer Werner Meier. Er schrieb ihnen das Saxofon-Arrangement auf Händels ?Air? aus dem ?Rinaldo? ? und diese andächtige Musik erklang nach einem Konzert voller Überraschungen. -ds